Wenn der Nationalrat, ein Landtag oder eine Gemeinde ein Budget beschließt, dann werden wichtige Entscheidungen getroffen - z. B. ob mehr oder weniger Geld für öffentliche Verkehrsmittel, Sozialleistungen oder Wirtschaftsförderungen ausgegeben wird. Dabei muss man auch fragen: Ziehen eher Männer oder Frauen Nutzen aus diesen Ausgaben? Treffen etwaige Einsparungen eher Männer oder Frauen? Dabei gibt es oft erhebliche Unterschiede. Budgetpolitik ist also letztlich immer auch Frauen- bzw. Gleichstellungspolitik.
Obwohl Männer und Frauen gleichberechtigte Mitglieder in der Gesellschaft sind, werden Frauen weiterhin benachteiligt. In Österreich verdienen sie um rund ein Drittel weniger als Männer, leisten zwei Drittel der unbezahlten Arbeit, sind öfter von Armut betroffen und sind in wichtigen politischen und ökonomischen Entscheidungspositionen deutlich unterrepräsentiert. Die öffentlichen Budgets müssen daher einen Beitrag zur Förderung der Gleichstellung von Männern und Frauen leisten. Sie müssen:
Seit dem 1. Jänner 2009 ist das Ziel der tatsächlichen Gleichstellung von Frauen und Männern im öffentlichen Haushaltswesen in der Verfassung verankert ("Gender-Budgeting"). Sowohl die Einnahmen als auch die Ausgaben sollen einen wesentlichen Beitrag zur Geschlechtergleichstellung leisten.
Die bisherige Umsetzung seitens der Regierung lässt zu wünschen übrig. Damit Gender-Budgeting dem verfassungsrechtlichen Auftrag gerecht wird, braucht es neue Formen der Zusammenarbeit und eine Öffnung der Budgetprozesse. Im Kapitel "Zukunftsbudget braucht Demokratie" (auf Seite 14) schlagen wir hierzu eine Reihe von Maßnahmen vor, u. a. einen unabhängigen Beirat und die Einführung von Gender-Budgeting Foren, wo zwischen MinisterInnen und Zivilgesellschaft über die Gleichstellungswirkung des Budgets diskutiert wird.
Das zivilgesellschaftliche Zukunftsbudget enthält eine Reihe von Vorschlägen, die die Ungleichheit zwischen Männern und Frauen reduzieren. Hier ein kurzer Überblick über diese Maßnahmen:
Zusätzlich zu geschlechtergerechten Budgets braucht es ein Frauenbudget, das spezifische Maßnahmen im Bereich Beratung, Gewaltschutz etc. fördert. 2013 verfügte das Frauenministerium über 10 Mio. Euro. Dieses Budget wird für die Förderung von Frauenberatungseinrichtungen und spezifischen Frauenprojekten (rd. 50 %), für die neun Gewaltschutzzentren in den Landeshauptstädten (rd. 35 %) und Bewusstseinsbildungsmaßnahmen verwendet. Angesichts der immer noch großen Benachteiligung von Frauen muss das Frauenbudget substantiell erhöht werden - auf 100 Mio. Euro. Gibt es weniger Ungleichheit, kann es schrittweise reduziert werden. Neben den bisher geförderten Einrichtungen und Maßnahmen soll aus diesem Budget folgendes finanziert werden: